Diesen Sommer sorgen die gut hundert in der Schweiz aktiven Wölfe für stark erhöhte Aufmerksamkeit. Die Risse summieren sich und die Aufmerksamkeit verlagert sich von den Schafen zunehmend auf sämtliche Nutztiere. Die Alpsaison zeigt, dass der Herdenschutz komplex ist, vor allem in Kombination mit dem Tourismus.
Politische Aktivität steigt
Knapp ein Jahr nach der Ablehnung des neuen Jagdgesetzes nimmt vor diesem Hintergrund die politische Aktivität für eine intensivere Regulierung des Wolfs zu. Exemplarisch sind dafür die Aussagen von Andreas Widmer, dem Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbands. «Wir haben riesige Probleme», sagte er gegenüber dem Ostschweizer Regionaljournal von SRF.
Die Berg- und Alpwirtschaft sei durch die vermehrten Wolfsangriffe durcheinandergebracht worden. Die Abstimmung sei leider verloren gegangen, bedauert er, jedoch gehe er davon aus, dass die Stimmung in der Bevölkerung angesichts der sich häufenden Angriffe wohl nicht mehr die gleiche sei wie vor Jahresfrist.
Bei den Schafen könne der Herdenschutz funktionieren, so Widmer. Schafe seien es aber nur einige 1000, beim Rindvieh aber mehrere 10 000 Stück. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, alle diese zu schützen. Man habe zunehmend Mühe, das nötige Personal zu finden, so Widmer. Für Andreas Widmer ist klar: Man müsse jetzt möglichst schnell dafür sorgen, dass in Bundesbern auf politischer Ebene gehandelt wird. «Die Politik muss die richtigen Massnahmen in die Wege leiten», sagt er. Das heisst für ihn klar, erneut Richtung stärkere Wolfs-Regulierung schreiten.
Es brauche aufgrund der aktuellen Lage eine Wolfsregulierung wie im abgelehnten Jagdgesetz vorgesehen. Dabei wollen sich die Bauernvertreter über die Kantonsgrenzen hinweg zusammenschliessen, so Widmer. Man werde die Bundesparlamentarier im Hinblick auf die Herbstsession mit dem Thema konfrontieren.
«Bundesbern muss handeln»
Sollten hier keine konkreten Vorstösse, wie etwa eine parlamentarische Initiative resultieren, werde man auf anderer Ebene aktiv, so Widmer und droht unverblümt mit einer Volksinitiative für die bessere Regulierung des Wolfs. «Das ganze läuft uns aus dem Ruder, wenn wir jetzt nichts unternehmen», sagt er. Die Unterstützung für ein solches Volksbegehren dürfte breit sein und die Sammlung der nötigen Unterschriften eine Formsache.