Kürzlich sassen zwei kleine Buben, sechs und drei Jahre alt, in der Praxis von Ernährungsberaterin Sonja Ricke. Beiden waren zu klein für ihr Alter, wie sie gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt. «Sie bekamen zu Hause keine Milch, weil die Eltern glaubten, die Kinder seien allergisch.» Um das fehlende Eiweiss aus der Milch zu kompensieren, hätten die Buben laut der Beraterin zweimal pro Tag Fleisch essen müssen oder viele Hülsenfrüchte. Beides blieb aber aus. Dies sei kein Einzelfall, heisst es im Artikel. In schweren Fällen hätten die Mediziner sogar schon die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) einschalten müssen.
Hysterie wie bei Gluten
Doch auch Erwachsene meiden Milch immer öfter. Ähnlich wie bei der Glutenhysterie müsse die Milch zunehmend als Begründung für eine Vielzahl von unspezifischen psychosomatischen Beschwerden herhalten, sagt Oswald Hasselmann, Leitender Arzt am Kinderspital Ostschweiz gegenüber der «SonntagsZeitung». «Geradezu grotesk ist, wenn junge Männer im Zuge des Fitnesswahns teures Proteinpulver kaufen, das mehrheitlich aus Milchpulver besteht, und gleichzeitig eine Aversion gegen Milch haben.»
Lovely geht auf die Wiese
Dass der Milchkonsum stetig zurückgeht, ist kein neues Phänomen. 2017 tranken Herr und Frau Schweizer aber gerade noch 57 Kilo Milch, ein historischer Tiefstand. Die Branchenorganisation Milch reagiert mit der neuen «Mehrwertstrategie Schweizer Milch 2025» auf den Negativtrend. Und Lovely, die bekannte Swissmilk-Werbekuh, weidet jetzt auf der grünen Wiese, statt Extremsportarten zu betreiben (wir berichteten).
jw