Wenn Konsument(innen) besser über die Landwirtschaft Bescheid wüssten, würden sie bewusster einkaufen. Mit dieser Hoffnung wird viel Sensibilisierungsarbeit betrieben und die Nähe zwischen Produktion und Konsum gefördert.
Das Ressourcenprojekt «Agrarökologie Schweiz» macht die Probe aufs Exempel, ob das wirklich funktioniert.
Was wirklich funktioniert, kommt ins Handbuch
«Agrarökologie» ist ein sperriger Begriff mit ebensolcher Definition. Kurz gesagt geht es dabei darum, das Ernährungssystem als Ganzes zu betrachten.
«Ich meine aber, wir haben in der Agrarökologie kein Theoriedefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit», bemerkt Judith Riedel, Direktorin des Instituts für Agrarökologie. Daher beantwortet sie die Definitionsfrage praktisch.
Im Ressourcenprojekt wolle man anhand eines Grundkatalogs von Praxismassnahmen jene zusammenstellen, die die Agrarökologie ausmachen und auf den Pilotbetrieben wirklich funktionieren. Das Resultat ist ein Praxis-Handbuch für die Landwirtschaft.
Zusätzlich werde es auch ein Handbuch zum Konsum geben mit effizienten Massnahmen, um den Konsum nachhaltiger und ressourceneffizienter zu gestalten sowie Lebensmittelverluste (Food Waste) zu reduzieren.
Massnahmen im Projekt mit minimiertem Risiko ausprobieren
Das Ressourcenprojekt ist 2024 gestartet und läuft bis 2030, mit einem Wirkungsmonitoring bis 2032. Zehn Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Solothurn erproben in den nächsten Jahren neue Ansätze für eine ressourcenschonende Produktion.
«Agrarökologische Massnahmen können mit minimiertem Risiko ausprobiert werden», beschreibt Judith Riedel. Projektleiterin Janine Rüst gibt Beispiele für Ansätze in verschiedenen Bereichen:
Biodiversität: Verbesserung von Biodiversitätsförderflächen (BFF), Anlegen von (Futter)Hecken
Boden: Mischkulturen, mehr Leguminosen in der Fruchtfolge
Klimabilanzen Tierhaltung: Optimierung der Ration, Reduktion Stall-Emissionen
Klimabilanzen Energie: Reduktion Energieverbrauch, Ersatz fossiler Energieträger
Nährstoffverluste: Parzellen-spezifische Düngebilanz
Wirtschaftlichkeit und Resilienz: Diversifizierung, Ausbau der Direktvermarktung
Produktion soll stabil bleiben
Es werde zusammen mit den Landwirt(innen) jeweils ein auf den Betrieb zugeschnittenes Massnahmenpaket geschnürt. Dies mit dem Ziel, die agrarökologische Leistung der Höfe zu steigern. «Dazu gehört auch, dass die Produktion – in der Einheit Stickstoff – stabil bleibt oder steigt und die Arbeitsbelastung gleich oder tiefer ist», ergänzt Judith Riedel.
Konsumenten einbeziehen und beraten
Auf Seiten Konsumenten fährt «Agrarökologie Schweiz» zwei Geleise: Einerseits gibt es einen von den Betriebsleitenden zusammengestellten, bunten Strauss an Aktivitäten, damit Konsument(innen) an der Landwirtschaft teilnehmen können. «Man kann zum Beispiel mitmachen beim Heckenpflanzen, Kompost machen oder in der Verarbeitung von Hofprodukten», so Riedel. Es soll mindestens 20 Veranstaltungen geben.[IMG 2]
Andererseits wird die Wirkung von gezielten Massnahmen zum Thema Ernährung und Food Waste auf das Verhalten der beteiligten Konsument(innen) ausgewertet. So sind 150 Interessierte gesucht, die ihre Ernährung bewusster gestalten wollen und dazu zweimal pro Jahr ihr Essverhalten und ihren Food Waste via App erfassen.
Dafür gibt es eine finanzielle Entschädigung und individuelle Rückmeldungen sowie Ratschläge, die sich an der Schweizer Lebensmittelpyramide orientieren. Wie die Verantwortlichen betonen, stehen bei all dem gemeinsames Lernen, Austausch und Genuss im Vordergrund – nicht Verzicht.
